monatliche Nachricht vom Chef

Der Kollege Chef hat im Dezember seine monatliche Email verschickt. Eigentlich hatte ich nicht mehr vor diese in meinem Urlaub zu lesen. Der Hinweis meiner Kollegen die Email doch mal zu lesen, hat mich dann kurz nach Weihnachten dazu gebracht mein dienstliches Smartphone wieder aufzuladen. Eigentlich wollte ich es erst wieder am ersten Arbeitstag einschalten, denn ich benötige keinen Betriebsrat wie VW (siehe SPON), um dienstliches und privates trennen zu können. In seiner Email geht der Chef auf die Ergebnisse der internen Mitarbeiterbefragung ein.
Die Frage vom Chef „Ist der Preis unserer Umgestaltung zu hoch?“ kann ich kurz und knapp mit „JA!“ beantworten.
Gespräche mit den Niederlassungskollegen haben dies im Bezug auf Kollegen, die vor kurzem ausgegründet worden sind, bestätigt. Bisher haben sich diese nun externe Kollegen über zusätzliche Aufgaben gefreut. Sie sind gerne mal eben noch auf dem Weg am Standort XY vorbeigefahren und haben die Verschaltung vor Ort mit der Dokumentation verglichen und ggf. korrigiert. Jetzt geht das nicht mehr ohne offiziellen Auftrag. Sind wir dadurch schneller und einfacher geworden?
„Die Zeiten werden ungemütlicher“: Klar, wer konnte denn mit einem Smartphone – Boom rechnen? Wer konnte damit rechnen, das die Netzlast bei Paketvermittelten Diensten, sprich Internet, steigen wird? Youtube, Facebook, Twitter und Co. nutzt doch kaum einer, oder?
„Wollen wir also auch künftig unsere wirtschaftliche Stärke erhalten,
von der jeder Einzelne von uns am Ende wesentlich profitiert, kommen
wir an strategischen Weichenstellungen nicht vorbei.“
Wie wäre es hier mit einem strategischen Netzausbau? Nicht ohne Grund ist der letzte Connect Test nicht ganz so glücklich gelaufen. Aber um ein Netz strategisch auszubauen, müsste man sehr viel Geld in die Hand nehmen, das unser Konzern ja nicht mehr hat. Der Gewinn ist so gerade noch im grünen Bereich. Wir können glücklich sein, das unsere Firma nicht Insolvenz anmelden muss.
„Sehen wir also Probleme, wo gar keine sind?“ Richtig, denn wenn Projekte aufgrund von unrealistischer Ziele ohne Rücksprache mit dem (fehlenden) Fachpersonal gestartet werden und Hinweise auf Probleme mit konkreten Lösungsvorstellungen nicht beachtet werden, dann wenden wir uns den falschen Problemen zu.
Die Aufgaben die ein CEO oder die Geschäftleitung alleine bewätligen kann gibt es nicht, denn die Aufgaben werden letztenendes vom Personal „an der Front“ bewältigt.
Hier ist, zumindest gefühlt, keine Beschleunigung der Arbeit erkennbar. Bestellungen, die nun quasi extern durchgeführt werden, dauern wesentlich länger als vor dieser „Vereinfachung“; ausgegründete Techniker Beispiel siehe oben; Umgang mit Projekten betreffend unser Netz habe ich auch schon erwähnt.
Schnelle Prozesse hin oder her. Solange es kein Umdenken in der Personalpolitik gibt, solange es kein Umdenken im strategischen Ausbau des Netzes gibt, werden wir definitiv nie schneller. Ein optimierter Bestellprozess für den (externen) Kunden nützt gar nichts, wenn die Mannschaft, die das ganze Jahr unter Voll- bis Überlast den Betrieb aufrecht erhält, keine Möglichkeit hat voraussschauend zu arbeiten.

4 Kommentare zu „monatliche Nachricht vom Chef

  1. Eine schmerzhafte Klage über die Lücke zwischen Anspruch im Upper/ Middle Management und der Realität beim Fussvolk. :-‚(
    Die Lehmschicht, wie Peter Löscher es wohl nannte ist nicht in der Lage die Strategien zu operationalisieren, sei es weil es nicht möglich ist (Strategie falsch) oder die Erfahrung im Bereich des Management und/oder Führung fehlen.

    Wäre interessant die Profile/ Ausbildung der Lehmschicht zu dokumentieren? und dann? Wer ist schuld? HR, Vorstand und Aufsichtsrat.

    Wieviele gute sind noch an Bord?

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